Frage einen Isländer, ob es etwas gibt, dass er gerne wissen möchte, bevor er stirbt, und die Antwort wird höchstwahrscheinlich entweder „Wer schrieb die Njála?“ oder „Was ist Geirfinnur zugestossen?“ sein. Die Njála wurde vor fast tausend Jahren geschrieben, daher ist es eher unwahrscheinlich, dass dieses Rätsel jemals gelöst wird, Geirfinnurs Verschwinden geschah jedoch erst vor einigen Jahrzehnten und ab und zu versucht ein neugieriger Journalist oder ein Amateur Ermittler noch immer herauszufinden, was Geirfinnur zugestossen ist.

The Geirfinn's Case

Im Fall des Geirfinnur gibt es viele Vermutungen und nur wenige bestätigte Fakten. Geirfinnur Einarsson, ein 32-jähriger Bauarbeiter, wurde am 19. November 1974 angerufen, während er zu Hause in Keflavík war. Er fuhr zum Hafen in Keflavík und liess den Schlüssel in der Zündung stecken. Was danach passierte, ist unbekannt, er ist spurlos verschwunden.

Obwohl die beiden Fälle unabhängig voneinander sind, glaubte die Polizei zu der Zeit, dass das Verschwinden des Guðmundur Einarsson in einer Januarnacht des selben Jahres etwas mit Geirfinnurs Verschwinden zu tun hatte. Der 18-jährige war auf dem Heimweg von einem Tanz in Hafnarfjörður. Ein Autofahrer sah Guðmundur beinahe vor ein Fahrzeug stürzen, und das war das letzte mal, dass Guðmundur gesehen wurde.

Eine umfangreiche Suchaktion wurde in beiden Fällen gestartet, diese blieb aber erfolglos. Es gab keine Spur von Guðmundur und Geirfinnur, und man war sich sicher, dass ein Mörder am Werk war.

Fast ein Dutzend Verdächtige – noch immer kein Leichenfund

Sechs junge verdächtige Männer wurden in Isolation festgehalten und befragt, teilweise monatelang, einer von ihnen 615 Tage lang. Sie gehörten zu einer kriminellen Bande und waren polizeibekannt. Obwohl keiner von ihnen sich erinnern konnte, die Morde begangen zu haben, unterschrieben sie ein Mordgeständnis. Einer der Verdächtigen, Erla Bolladóttir, sagte, sie gestand den Mord nur, um zurück nach Hause zu ihrer Tochter zu kommen. Später wurde bekannt, dass die Verdächtigten zusätzlich zum psychologischen Stress der Befragungen und der Isolation mit Wasser gefoltert wurden. Einige von ihnen wurden unter Drogen gesetzt, um nachts schlafen zu können, was zu Gedächtnisschwund führte.

Der Druck auf den isländischen Ermittlern, den Fall zu lösen, war gross, und im August 1976 entschied man, den deutschen Profiermittler Karl Schütz nach Island zu bringen, um die Ermittlung zu leiten. Seine Ermittlungen führten zur Festnahme eine 32-jährigen Lehrers, Guðjón Skarphéðinsson. Guðjón führte ein Tagebuch, während er in Isolation festgehalten wurde, und dieses Tagebuch wird seitdem als eines der besten Beispiele des „Gedächtnis-Misstrauens-Symdroms“ betrachtet. Das passiert, wenn Menschen beginnen, ihren eigenen Erinnerungen zu misstrauen, und sich an „falsche Erinnerungen“ erinnern, die von anderen eingenistet werden.

Im Jahr 1980 verurteilte der isländische Oberste Gerichtshof alle Verdächtigten für den Mord von Guðmundur und Geirfinnur. Die einzigen konkreten Beweise waren dabei die Geständnisse. Die Jahre vergingen, und die Verurteilten verbüssten ihre Zeit im Gefängnis, ohne dass der Fall jemals neu ermittelt wurde.

The Geirfinn's Case
The Geirfinn’s Case has images of things rarely seen in Iceland.

Der Fall des Geirfinnur soll neu ermittelt werden

Sævar Ciesielski, einer der Verurteilten, bestand darauf, dass der Fall neu ermittelt werden sollte. Er stammte aus einer komplizierten Familie und wurde als Hauptverdächtiger angesehen. Obwohl Sævars Beharren erfolglos blieb, empfahl der Premierminister Davíð Oddson, den Fall neu zu ermitteln, da die Ermittlungen von Beginn an katastrophal gewesen seien.

Sævar starb 2011, zwei Jahre bevor beschlossen wurde, den Fall neu zu ermitteln. Im Februar 2018 wurden fünf von den sechs Verurteilten freigesprochen.

Der Fall erlangt internationale Beliebtheit

Nachdem die BBC 2014 eine Reportage names „The Reykjavík Confessions“ veröffentlichte, wurde der Fall zunehmend international berühmt und weckte das Interesse von Filmemachern.

Auf Netflix erschien eine Dokumentation über den Fall Geirfinnurs namens „Out of thin air“, die eine Mischung aus echtem Filmmaterial aus der 80ern sowie neuem, dramatisiertem Material ist.

Baltasar Kormákur, ein isländischer Regisseur, bekannt für die Hollywood Filme Contraband und Everest, produzierte eine Fernsehsendung basieriend auf dem Fall. Ein weiterer isländischer Regisseur, Egill Örn Egilsson, produzierte einen Film namens Imagine Murder, der 2019 premierte.

The Geirfinn's Case

Das Rätsel bleibt bestehen

Über Jahrzehnte hinweg lag der Fokus der Allgemeinheit auf den Geständnissen der sechs Verdächtigten und deren Verurteilung zum Mord von Geirfinnur und Guðmundur. Nach ihrem Freispruch jedoch bleibt die Frage: Was geschah mit Guðmundur und Geirfinnur?

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